...ein Samstag bei den Moneywhisks...
Eigentlich begann der Tag ganz unspektakulär. Der noch am Donnerstag mit 41°C Fieber kranke Luuk war fieberfrei und bestens gelaunt, also dachten wir, wir nutzen den regenfreien und 15°C-lauen Novembertag, um unser Familien-Pony Jasper mal auf einen kleinen Spaziergang mit in den Wald zu nehmen. Da seit Neuestem selbst die Jungs ihren Spaß am Reiten gefunden haben, durfte abwechselnd geritten werden. Und unser Jasper ist echt ein Goldstück!
Hier sehen wir Cowboy Lucky Luuk...
Ranger Pete Piety
und Cowgirl Enie McMoney
auf ihrem Ritt durch die Berge.
Ein gelungener Ausflug mit glücklichen Kindern :-)
Zu Hause war Cowboy Luuk aber dann doch wieder recht schlapp, und sein Mittagsschlaf zog sich länger hin als erwartet. Verdächtig! Kaum aus dem Bett geholt konnte ich den Grund seiner Schlappheit dann auch deutlichst erkennen: rote Pocken auf dem Oberkörper, rote schorfige Stellen hinter den Ohren, eine weiß belegte Zunge...na schönen Danka auch...Scharlach...
Gut, gleich mal die Telefonnummer der Notfall-Zentrale rausgesucht, um nach einem Kinderarzt zu fragen, der heute Dienst hat...
"Unsere Leitungen sind zur Zeit alle belegt. Bitte bleiben Sie dran, Sie werden mit dem nächsten freien Platz verbunden"...5 Minuten...7 Minuten...12 Minuten......geschlagene 18 Minuten hing ich dann in dieser Leitung. Meine Wut auf alle Schweinegrippen-ich-hab-Schnupfen-also-hab-ich-die-Schweinegrippe-Hysteriker war gegen Minute 15 schon auf ihrem Höhepunkt, als dann eine freundliche, aber vollkommen ausgelaugte Stimme mich in Minute 18 endlich fragte, was sie für mich tun könne. Mein "ach herrjeh, Sie sind aber verdammt schlecht zu erreichen" wurde seufzend mit einem "ja, den ganzen Tag haben wir mind. 40-50 Leute gleichzeitig in der Warteschleife hängen" beantwortet.
"Darf ich denn auch nach einem Arzt fragen, wenn ich KEINEN Verdacht auf Schweinegrippe habe?"
"Oh ja biiiittee...irgendwas anderes. Was haben Sie denn?"
"Eine Kind mit Scharlach!"
"Oh mann, das ist heute der erste Anrufer mit Scharlach. Ich hab ansonsten nur Leute in der Leitung die sagen, dass ihr Kind hustet und ob sie jetzt alle die Schweinegrippe hätten...es ist zum irre werden..."
Die diensthabende Ärztin war ähnlich schlecht zu erreichen. Meine Antwort auf "was hat das Kind denn?" brachte wahrscheinlich zum ersten Mal an diesem Nachmittag die Praxishelferin aus ihrem Trott. Ich wurde dann für eine Stunde später bestellt.
Mit dem mittlerweile stark schuppig aussehenden Luuk auf dem Arm betrat ich dann die überfüllte Praxis...
"Was hat das Kind denn?"..."Scharlach"...."Oh ja, man sieht´s...äh ja...dann setzen Sie sich bitte ins Wartezimmer. Dauert aber bestimmt noch ne Stunde...."..."Äh bitte wie? Ich soll mich jetzt mit einem Scharlach-Kind in das Wartezimmer da setzen? Da ist ja noch nicht einmal mehr ein Platz frei. Ich denk, das ist hoch ansteckend?"..."Ja, leider können wir nicht anders. Hier sind 160 Erkältungsfälle heute gewesen...vielleicht können Sie noch ne Runde um den Block gehen?"...Ich muss nicht erwähnen, dass wir knapp 18h hatten und es in unseren Breitengraden um die Uhrzeit schon dunkel ist.
Gut, ich mir Luuk geschnappt, mit ihm zu BurgerKing gegangen und dort (recht isoliert sitzend) ne Limo getrunken. Als ich ne halbe Stunde später die Praxis dann wieder betrat war tatsächlich irgend eine Anweisung ans Empfangspersonal gegangen, jedenfalls durfte ich dann doch nicht mehr ins Wartezimmer und wurde gleich durchgewunken ins Behandlungszimmer. Ausgezogen und im hellen Praxislicht sah Luuk nun mittlerweile auch wirklich aus wie diese Bilder in den Medizinbüchern, in denen man als Eltern nachschlagen kann, welche nette Krankheit sich der Sprößling denn wohl zugezogen hat.
Der freundlichen Ärztin konnte ich die Diagnose auch gleich abnehmen...eindeutiger konnte es gar nicht sein.
Heißt: Antibiotika für Luuk für 7 Tage, nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend, Kindergarten-Pause bis Mittwoch und "Krankenschein" für Mama, wegen der Betreuung...und damit ich nicht morgen den nächsten Fall hier habe, gab´s für die Geschwister auch gleich vorsorglich Antibiotika. Man, war ich dankbar!
Während ich in diesem Behandlungszimmer saß, konnte ich sowohl die neuen Patienten sehen, als auch die Anrufe mithören (zumindest die Antworten). Die Neu-Patienten hatten durch die Bank weg "leichtes Fieber" und ab und an auch "leichte Kopfschmerzen" oder "Husten"...die panischen Eltern wollten gleich in Quarantäne gehen. Gleiches bei den Anrufen...
Sind denn eigentlich alle verrückt geworden???? Jetzt rennt jeder mit 38,2° den Ärzten die Bude ein, weil es ja die Schweinegrippe sein könnte, blockiert die Wartezimmer mit Kindern, die gestern einmal geniest haben oder jemanden kennen, der einen kennt, dessen Schwager einen Nachbarn hat, bei dem der Verdacht auf Schweinegrippe besteht...In Enies Klasse, sind von 22 Kindern gerade mal noch 10 am Freitag da gewesen...
Oh jee, was nimmt das noch für Ausmaße an...
Nun gut, mein Wort zum Sonntag, bis die Tage :-)